Das Bildungsvolksbegehren – ein Aufstieg oder doch ein Sitzenbleiber?

 
Kommentar von Josef Gundacker

Im Einleitungstext zum Volksbegehren heißt es: Wir fordern ein faires, effizientes und weltoffenes Bildungssystem, das vom Kleinkind an alle Begabungen fördert und Schwächen ausgleicht,… Das sind noble und verheißungsvolle Formulierungen und die Forderung nach mehr Autonomie, ohne parteipolitische Einflussnahme ist mehr als gerechtfertigt. Eine genaue Analyse der Begründungen und Forderungen des Volksbegehrens ergibt aber nur die Note „Genügend“.

Einige Beispiele: Bildung bestimmt die Zukunft jedes/jeder Einzelnen,… – dies ist leider nur teilweise korrekt! Nicht Bildung und Wissensgrad bestimmen die Zukunft des Einzelnen, sondern Haltung und Charakter. Es gibt viele „Ungebildete“, die Großartiges für ihre Familie und die Gesellschaft leisten und genauso viele bestens „Gebildete“, welche nur ihre eigenen Interessen verfolgen und gar keinen Beitrag für das Ganze leisten. Die Notwendigkeit von Charakterbildung wird ignoriert.

Wir sind ein Land ohne Rohstoffe, die Fähigkeiten unserer Jugend sind eine wichtige Voraussetzung für unsere Zukunft. – Werden die Fähigkeiten unserer Jugend als „Rohstoff“ des Landes gehandelt, der nur mit dem „richtigen Know-How“ bearbeitet werden muss? So verstanden stellt Bildung eine Ware dar und was zählt sind nur die Talente und Fähigkeiten unserer Jugend und nicht der junge Mensch an Sich.

Aufgrund des dramatischen Qualitätsverlustes wird unser Bildungssystem diesen Anforderungen und Zielen nur unzulänglich gerecht. – Was sind die Qualitätskriterien um von einem so dramatischen Qualitätsverlust zu sprechen? Sind die Kriterien wieder nur der Grad an Wissen, welches sich Schüler aneignen sollten? Eine Frage, die ignoriert wird ist, warum so viele Schüler kein Interesse am Lernen haben. Dies liegt zweifellos nicht am fehlenden Angebot an Bildungschancen.

Ein faires, effizientes und weltoffenes Bildungssystem muss auch größtmögliche Chancengleichheit für alle eröffnen. Es wird sehr einseitig immer nur von Bildungschancen und Angeboten geredet. Lehrinhalte und die Bedürfnisse unserer Kinder stehen nicht im Mittelpunkt der Überlegungen. Die Mehrzahl unsere Bildungsexperten wird von einem materialistischen und zweckorientierten Denken beherrscht. Es zählt die finanzielle Absicherung des Systems und das Kind als zukünftige Arbeitskraft.

Bildung beginnt in der Familie und die Entwicklungspsychologie sagt eindeutig, ohne Bindung keine Bildung. Anders ausgedrückt, die Grundlage für die Bildung eines Kindes liegt in der Beziehung des Kindes zu seinen Eltern und später auch zu seinem Lehrer. Die Eltern als Hauptverantwortliche für die Entwicklung und Erziehung ihrer Kinder, werden als wichtigster Partner der Schule in den Forderungen kein einziges Mal erwähnt. Dies sind denkbar schlechte Voraussetzungen für eine echte Bildungsreform!