Ethikunterricht – brauchen wir das?


Kein Schüler sollte in Österreich maturieren, ohne eine Grundbildung in ethischen und religiösen Fragen bekommen zu haben, fordert das Personenkomitee um den evangelischen Bischof Bünker. Seiner Meinung nach kommt die religiös-ethische Bildung ebenso zu kurz wie die Lehre über humanistische Normen und Fragen der Moral und Ethik. Für die betreffenden Schüler hat diese Praxis nur Vorteile, denn statt zwei Mal wöchentlich die Bibel zu studieren, hat der Nachwuchs schulfrei – und geht ins Kaffeehaus.

Bei der Diskussionsveranstaltung „Ethikunterricht – brauchen wir das?“ orteten die Befürworter des Ethikunterrichts grobe Mängel im Lehrplan. Grund: Er existiert noch gar nicht. Um überhaupt den Versuch durchführen zu können, musste der Lehrplan von den jeweiligen Schulen erst autonom erarbeitet werden.

 

Auf die Frage: Wozu Ethik und sind Tugenden lehrbar, vermieden es die Diskutanten allerdings, Antworten zu geben. Sind Ethik, Moral und menschliche Normen relativ und daher unverbindlich? Was sind humanistische Normen?

 

Ethik und Moral werden laut humanistischer Philosophie allein von Menschen auf dem Hintergrund ihrer individuellen und gesellschaftlichen Erfahrungen formuliert. Eine materialistisch/weltliche Lebenseinstellung fördert angeblich das Selbstvertrauen und die Fähigkeit des Menschen, aus eigener Kraft und gemeinsam mit anderen ein sinnvolles Leben zu gestalten. Nur, wie soll ein Mensch die Fähigkeit entwickeln, aus eigener Kraft ein sinnvolles Leben zu gestalten, wenn er in einer Umgebung und Atmosphäre der Unsicherheit, des Misstrauens aufwächst? Wodurch entwickelt ein Kind sein Selbstvertrauen und innere Sicherheit? Als erstes durch die Beziehung zu seinen Eltern. Eine mangelhafte oder schlechte Beziehung zu den Eltern hat gravierende Auswirkungen auf das Selbstverständnis des Kindes.

Kann die Schule wettmachen, was in der Familie versäumt wurde?

 

Humanistische Ethik basiert nur auf einem Minimalkonsens und ist daher höchstens geeignet, Schadensbegrenzung zu betreiben. Sollte Bildung und Erziehung unsere Kinder nicht dazu befähigen, richtige Entscheidungen zu treffen und unnötige Lebenserfahrungen von vornherein zu vermeiden? Die Kriterien humanistischer Ethik und Moral bleiben der subjektiven Betrachtung des einzelnen Menschen überlassen. Es reicht nicht, wenn Schüler darüber nur diskutieren, um sich ihre eigene Meinung bilden zu können.

 

Dass der Schlüssel zu einer erfolgreichen Entwicklung und Bildung unserer Kinder in stabilen Familien liegt, darüber wird äußerst wenig diskutiert. Die Erkenntnisse der modernen Bindungsforschung, wonach die Beziehung eines Kindes zu seinen Eltern für die Entwicklung von innerer Sicherheit und Selbstvertrauen entscheidend ist, finden leider in den Bildungsdebatten keinen Eingang. Die Diskussion über Bildung allgemein und Ethik im Besonderen muss auch die zentrale Rolle der Eltern in der Erziehung und Bildung unserer Kinder einschließen. Ich schlage daher vor, weniger über Rahmenbedingen und mehr über die Inhalte entsprechender Lehrpläne zu sprechen. Ethikunterricht ja, aber keine unverbindliche Ethik; was wir brauchen, ist Erziehung zur Verantwortung.

 

Kommentar von Josef Gundacker, Familienforum Österreich