Leitbild für eine Familienpolitik der Zukunft

Jedes erfolgreiche Unternehmen hat ein Leitbild und Qualitätsstandards als Grundlage für seine Entwicklung. Genauso braucht auch das Unternehmen Familie, Werte und Standards als notwendige Grundlage um sich entwickeln zu können.

Wie sieht das heutige Leitbild „Familie“ aus? Im Familienbericht 2009 heißt es: „Familie ist demgemäß auch dann vorhanden, wenn keine Kinder da sind. Entscheidend sind die von den involvierten Akteuren als familial interpretierten Beziehungen“. Anders gesagt, jeder interpretiert für sich was Familie ist. Es gibt kein allgemeingültiges Leitbild, keine gemeinsam geteilten Werte und Standards. Dieses fehlende Leitbild und damit die fehlenden verbindenden Werte sind ein Hauptgrund dafür, dass so viele Ehen wieder auseinandergehen.

Die Familie ist, wie es Martin Luther formuliert hat, eine „Schule der Liebe“.

Um eine erfolgreiche und stabile Familie aufzubauen, müssen wir die Dynamik einer gut funktionierenden Familie verstehen.  Die Familie ist, wie es Martin Luther formuliert hat, eine „Schule der Liebe“. Sie ist die Grundschule der moralischen und sozialen Entwicklung und der Ursprung unserer Wertvorstellungen.

Die meisten Politiker definieren Familie primär als Verantwortungsgemeinschaft zwischen Eltern und Kind – „Familie, ist dort wo Kinder sind“. Kinder zu bekommen wird allerdings nur nach entsprechender finanzieller Absicherung empfohlen. Die Skepsis gegenüber einer Normalfamilie mit Eltern und (mehreren) Kindern und der Ehe ist groß. Dies hat, gewollt oder ungewollt, zu Nicht-Engagement, Halbbindung, Gefühlskontrolle und einer neuen Vorsichtigkeit geführt. Der heutige Trend zur Lebensabschnittspartnerschaft fördert eine Nicht-Verantwortungsgemeinschaft und ein möglichst unverbindliches Zusammenleben. Den Kern einer Familie bilden aber verbindliche Beziehungen, wobei die Qualität der Beziehung und die Bereitschaft der Eltern dauerhafte Verantwortung für sich und für Kinder zu übernehmen, entscheidend dafür ist, ob die Familie ein Ort des Glücks und der Geborgenheit wird, oder ein Ort des Konfliktes wird und wieder zerfällt.

Familienpolitik versteht sich als eine Politik zur Schaffung von rechtlichen, sozialen und ökonomischen Rahmenbedingungen, Instrumenten und Maßnahmen, womit Familienentwicklung und annehmliches Familienleben ermöglicht und gefördert werden. Die Familienpolitik kann allerdings nur zu den äußeren Rahmenbedingungen beitragen, die inneren Rahmenbedingungen muss das Ehepaar selber schaffen. Wenn Eltern ihr Kind selber betreuen und sich sorgen möchte, so darf das nicht nur eine Wahlmöglichkeit sein, sondern soll tatsächlich ermöglicht werden. Welche Rahmenbedingungen für die gesamtmenschliche Entwicklung gut und daher förderungswürdig sind, ist aber umstritten. Dies zeigt sich bei der Frage der Frühförderung und der Kinderbetreuung.

Die Politik sieht ihr Handlungsfeld in der Unterstützung der Sozialisation des Kindes. Der erste Ort der Sozialisation für ein Kind ist die Familie und die Eltern sind die ersten Bezugspersonen für das Kind. Sie sind das unmittelbare Vorbild das Tor zur Welt. Die Säuglings- und Kleinkindforschung lässt keinen Zweifel daran, wie wichtig der elterliche Einfluss in den ersten Lebensjahren für die weitere und grundsätzliche Entwicklung des Kindes ist.

Die Politik misstraut nicht nur den Eltern, sie unternimmt auch nichts, um die Erziehungskompetenzen der Eltern zu stärken.

Die Erziehungsfähigkeit der Eltern zu stärken sollte daher ein Anliegen der Politik sein. Diese für diese wichtige Aufgabe auszubilden – darin versagt die Familienpolitik seit Jahrzehnten. Die Politik misstraut nicht nur den Eltern, sie unternimmt auch nichts, um die Erziehungskompetenzen der Eltern zu stärken. Die Politik muss unbedingt nachdenken, wie sie die Eltern besser unterstützen, die Erziehungsfähigkeiten der Eltern besser fördern und die Kinder als zukünftige Eltern besser bilden kann. Familie zu stärken ist nicht nur eine Wertefrage, sondern eine Existenzfrage.

In der modernen Erziehung und Bildung ist die eigenständig handelnde und emanzipierte Person das Ziel. Dieses Ziel soll erweitert werden im Hinblick auf die zukünftige Rolle unserer Kinder als Eltern und Verantwortliche des eigenen Unternehmens Familie. Das Leitbild der zukünftigen Pädagogik muss der verantwortungsvolle und beziehungsfähige Mensch sein.

Wenn Ehe und Familie als Chance und Segen begriffen wird, um am Anderssein des anderen die eigene Liebesfähigkeit zu üben, dann wird eine Partnerschaft und Familie selten als Last, sondern als Bereicherung erlebt werden. Ehe und Familie werden dann zu jenem Ort, wo jeder seine Gesamtpersönlichkeit entwickeln und entfalten kann. Sie wird zum Ort der Selbstverwirklichung, ein Ort der Begegnung, eine Schule des Lebens und der Liebe. Die Familienpolitik soll nur die notwendigsten Rahmenbedingungen bereitstellen. Der Rahmen ist nur dazu da, damit die Familien ihn mit Inhalt und Leben erfüllen. Ein zerkratztes oder zerstörtes Familienbild kann durch den besten Rahmen nicht aufgewogen werden.

Wenn die Politik den Eltern stärker vertraut, wird die Kraft des Vertrauens sie stärken und motivieren Familie zu leben und mehr Kinder zu haben.

Die Bevölkerung braucht positive Beispiele von starken und funktionierenden Familien. Elternschaft und Familien müssen daher aufgewertet und für ihre Leistung, die sie für die Gesellschaft erbringen auch gewürdigt werden. Nur starke, gesunde und harmonische Familien sind der Garant für eine gute und sichere Zukunft.