Mythos Gleichstellung der Geschlechter

Probleme kann man niemals mit derselben Denkweise lösen, durch die sie entstanden sind.  Albert Einstein

Das Ziel 5 der UN-Agenda 2030 heißt: „Geschlechtergleichstellung erreichen und alle Frauen und Mädchen zur Selbstbestimmung befähigen“. Der OECD-Bericht „Gleichstellung der Geschlechter – Zeit zu handeln“ kommt unter anderem zu dem Schluss, dass „die Frage der Gleichstellung der Geschlechter nicht nur eine Frage der wirtschaftlichen Teilhabe ist. Sie ist ein moralischer Imperativ – ein Imperativ der Fairness und Gerechtigkeit, der zahlreiche politische, soziale und kulturelle Dimensionen hat. Zudem belegen Umfrageergebnisse, dass die Geschlechtergleichstellung weltweit ein entscheidender Faktor für subjektives Wohlbefinden und Zufriedenheit ist“.

Die Ungleichheit zwischen den Geschlechtern ist, nach Darstellung der OECD, eines der größten Hindernisse für nachhaltige Entwicklung, ökonomisches Wachstum und Armutsreduktion. Durch eine optimale Nutzung der vorhandenen Kompetenzen und Talente soll sichergestellt werden, dass Männer und Frauen die gleiche Chance haben, ihren Beitrag, zu Hause und am Arbeitsplatz zu leisten, womit sich ihr eigenes Wohlergehen und das der Gesellschaft erhöht.

Die OECD geht von der Annahme aus, dass der Mensch stark von materiellen Ressourcen wie Geld und Vermögen, von infrastrukturellen Ressourcen wie Arbeitsplätzen, Bildungs- und Freizeiteinrichtungen und sozialen Ressourcen wie Partner, Familie, Freundeskreis, Kontakte und nützliche Beziehungen abhängig ist, um sich selbst verwirklichen zu können. Das bedeutet, dass solange vor allem Frauen nicht den gleichen Lohn für gleiche und gleichwertige Arbeit erhalten und nicht die gleichen Rechte und Berufschancen wie die Männer haben, sie benachteiligt bleiben.

Die Gleichstellung der Geschlechter wird ausschließlich aus dem reduzierten Blickpunkt des Arbeitsmarktes betrachtet. Solange man nur wirtschaftliche Kriterien für den Zustand und das Wohlergehen der Gesellschaft heranzieht, scheint die Politik der Gleichstellung die richtige Lösung zu sein. Was aber ist, wenn die Nicht-Gleichstellung gar nicht das Problem darstellt und die Gleichstellung nicht die Lösung ist?

Ich lade Sie nun ein die Frage der Gleichstellung von einer anderen Perspektive zu betrachten.

Nehmen wir an, sie sind Aufsichtsrätin in einem börsennotierten Unternehmen. Ihre Ehe ist aber zerbrochen und ihre Kinder noch minderjährig. Sie sind zwar finanziell versorgt, sind aber mit ihrem Ex-Mann in einen Rosenkrieg verstrickt.  Sind Sie glücklich und zufrieden damit, dass Sie zwar viel verdienen, der Scheidungskrieg Sie viel Zeit und Nerven kostet und das Zuhause sich leer anfühlt? Dann ist die Balance von Beruf und Familie erheblich gestört!

Oder nehmen wir an, sie sind geschieden und eine alleinerziehende Mutter. Sie haben nur einen schlecht bezahlten Vollzeitjob und Ihr Einkommen reicht gerade zum Überleben. Sie haben aber keine Unterstützung eines Mannes. Ihre ganze Aufmerksamkeit wird darauf gerichtet sein zu Überleben. Die Balance von Beruf und Familie bleibt somit ein Wunschtraum. Sicherlich leisten diese Mütter oft Unmögliches, es fehlt aber doch etwas – es fehlt der Vater und oft auch das Sicherheitsnetz der Familie.

Nehmen wir nun an, ihr Ehemann hat einen gut bezahlten Job. Sie kümmern sich um die Kinder und können bestenfalls geringfügig verdienen. Für ihren Mann steht seine Familie an oberster Stelle. Er nimmt sich Zeit und unterstützt sie nach besten Kräften. – Fühlen Sie Sich benachteiligt und beklagen Sie Sich, dass Sie weniger verdienen?

Und nehmen wir schließlich an, Sie haben als Familie wenige Ressourcen zur Verfügung, zudem wissen Sie oft nicht, wie Sie ihre nächste Telefonrechnung bezahlen sollen. Sie und ihr Ehepartner betrachten aber die Krise als Chance und sind bereit gemeinsam eine Lösung zu suchen. Sie werden mit Sicherheit eine Lösung finden.

Natürlich sollen Frauen den gleichen Lohn für gleiche und gleichwertige Arbeit erhalten. Nur sind es nicht die Einkommensunterschiede, die fehlenden Ressourcen oder die fehlende Bildung, sondern die Beziehung zwischen Frau und Mann, die das Problem darstellen.

Ich erlebe immer wieder, wie Männer als auch Frauen, mit geringen Ressourcen und Bildung, Verantwortung in ihrem Bereich übernehmen und andere wiederum, welche die Umstände für ihr Unglück verantwortlich machen. Solange die Beziehung zwischen Mann und Frau als ein Kampf der Geschlechter und ein Machtspiel betrachtet wird, bleiben Gleichstellung und Gerechtigkeit ein ferner Traum. Paare trennen sich nicht, da ein Partner weniger verdient als der andere oder beide unterschiedliche Interessen haben. Sie trennen sich, wenn sie die Eigeninteressen vor die gemeinsamen Interessen stellen und aufhören in ihre Beziehung zu investieren. Aus dem „Ich liebe Dich“ wird dann ein „Ich liebe Mich und nur Mich allein!“

Anders ausgedrückt, die Kehrseite der Individualisierung ist, dass durch die Überbetonung der eigenen Wünsche, Interessen und Bedürfnisse ein Gesinnungswandel stattfindet, der die Beziehungen zerstört. Wenn Sie ihrem Partner Lieblosigkeit und Untreue vorwerfen, wird ihr Streben nach Freiheit und Unabhängigkeit dann zu ihrem Gegenspieler. Eine Partnerschaft und eine Familie sind mit einer auf sich selbst zentrierten Lebenseinstellung unvereinbar.

Die Gleichstellungsexperten gehen in ihrem Menschenbild von einer individualistischen Sichtweise aus. Der Mensch sei vor allem ein bedürftiges Mängelwesen, der von materiellen Ressourcen wie Geld und Vermögen, von infrastrukturellen Ressourcen wie Arbeitsplätzen, Bildungs- und Freizeiteinrichtungen und sozialen Ressourcen wie Partner, Familie, Freundeskreis, Kontakte und nützliche Beziehungen abhängig ist. Der Mensch ist aber nicht nur Objekt und „Opfer“ seiner Umwelt, sondern auch Subjekt, mit der Fähigkeit Verantwortung für sich und seine Umgebung zu übernehmen. Anders ausgedrückt, jeder einzelne Mensch ist für sein Leben, seine Gesundheit, seine Beziehungen, seine Familie, usw. selbst verantwortlich.

Gleichstellung ist auch keine Frage alter Machtstrukturen, Wertvorstellungen und starrer Rollenbilder. Gerechtigkeit und Gleichstellung sind eine Frage der Menschenwürde und der menschlichen Verantwortung. Erst wenn der Mann die Frau in ihrer Verschiedenheit und Einzigartigkeit als Frau respektiert und würdigt und umgekehrt, die Frau den Mann in seiner Verschiedenheit und Einzigartigkeit respektiert und würdigt, ist die Lösung dieses Konfliktes in Sicht. Solange Mann und Frau einander als Konkurrenten betrachten und nicht als komplementäre Partner gibt es keine Balance und Gleichstellung der Geschlechter.

Die menschliche Verantwortung wird allerdings in der Agenda 2030 nicht thematisiert.

Das Gleichstellung eine Frage alter Machtstrukturen, Wertvorstellungen und starrer Rollenbilder sei, gründet auf einem massiven Vorurteil von Menschen und einem Missverständnis von Rollen und von Macht. Ein Unternehmer beispielsweise hat die Entscheidungsmacht über sein Unternehmen, ob er seine Macht zum Wohle des gesamten Unternehmens und seiner Mitarbeiter ausübt, oder aber zu seinem eigenen Vorteil, entscheidet über den Verlauf und die Entwicklung des Unternehmens. Nicht die Machtposition ist das Problem, sondern die Verwendung der Macht. Oder, die Rolle von Mann und Frau in einer Familie sind sehr unterschiedlich. Ob aber die Frau zum Wohle ihres Mannes und ihrer Familie und der Mann zum Wohle seiner Frau und seiner Familie lebt, oder aber die eigenen Interessen und Bedürfnisse in den Mittelpunkt stellt, liegt in ihrer persönlichen Verantwortung. Eine Frau kann den Mann nicht ersetzen und umgekehrt, ein Mann nicht seine Frau, beide sind gleichbedeutend.

Autor: Josef Gundacker