Die Gleichstellungslüge

Die Gender Ideen sehen in der  Mann-Frau/Eltern-Kind Beziehung nur ein Macht- und Herrschaftsverhältnis, eine heterosexuelle Matrix, aus dem es auszubrechen gilt. Wenn die Matrix, die Mutter, als zentraler Bestandteil des gesellschaftlichen Zellkerns der Familie, aufgelöst wird, löse ich das Leben, die Liebe und die familiäre Bindung auf. Was bleibt übrig? – Nichts!

Vor kurzem wurde eine Studie veröffentlicht die feststellt, dass nach Expertenmeinung die Gleichstellung von Frauen noch 170 Jahre dauern wird. In dem Zeitungsbericht kam die große Enttäuschung zum Ausdruck, dass Österreich im Gleichstellungsbericht um 15 Plätze auf den 52. Rang abrutschte. Mein erster Gedanke dazu war, dass mit Sicherheit weitere Enttäuschungen folgen werden, denn die Gleichstellung ist nämlich eine riesen Täuschung. Genderexperten wollen der Bevölkerung weismachen, dass der Wesensunterschied zwischen Mann und Frau nur geringfügig sei und Geschlechterstereotypen Frauen wie Männer weiterhin behindern. Die völlige Gleichstellung der Frau mit dem Mann wird daher der Bevölkerung als Lösung der Probleme verkauft. Da aber Mann und Frau in ihrem Wesen sehr unterschiedlich sind wird es die Gleichstellung nie geben. Gleichstellungsbeauftragte und Frauenvertreterinnen klagen auf hohem Niveau, dass Frauen noch immer weniger verdienen als Männer. Dass Frauen sich immer noch um die Kinder kümmern müssen und die Männer sich nicht für Kinderbetreuung interessieren. Dass Frauen noch immer an den Herd „gebunden“ werden und als Unternehmenschefin sich nicht selbst verwirklichen können. Diese Liste an Klagen könnte man beliebig fortsetzen.

Die Gender Ideen – ein realitätsfremdes Konstrukt

Die Gender Studien und  ihre  verschiedenen, oft konträren  Ansätze verfolgen alle ein Ziel: Die Dekonstruktion von Mann und Frau! Auf die Frage, warum  die Ordnung Mann-Frau dekonstruiert werden muss wird genannt, dass die Fixierung auf die Ordnung das Problem darstellt. Durch diese Fixierung werden Hierarchien produziert und jedes „Dazwischen“ wird ausgeschlossen. Wenn das Konzept von Mann und Frau endlich dekonstruiert ist, werden nach Gender-Logik, die Frauen spielend in die Vorstandsetagen einziehen und sich selbst verwirklichen und die Männer den Haushalt führen und mit Begeisterung die Windel der Kinder wechseln. Diese Sichtweise der Mann-Frau Beziehung ist bereits das Problem! Denn nicht die Ordnung, sondern die Beziehung funktioniert nicht. Nicht die Ungleichheit und Verschiedenheit sind das Problem, sondern die Unfähigkeit Beziehungen aufzubauen. Ist nicht Ordnung eine Grundvoraussetzung für Beziehung, denn eine Beziehung ist ohne Ordnung nicht möglich.

In Wirklichkeit lenkt die Gleichstellungsdebatte von den eigentlichen zwischenmenschlichen Problemen ab. Was hilft es, wenn Frau sich im Beruf selbst verwirklicht und die Beziehung zum Mann zerstört ist – oder umgekehrt? Und welchen Sinn macht es, wenn Mann sich um seine Kinder kümmern will, aber Karrierefrau keine Zeit hat, welche zu bekommen? Und wer denkt an die Kinder? Sind diese nur zu unserer Selbstverwirklichung da?

„Freie“ Liebe – zerstörte Liebe!

Die Gender Theoretiker haben sich die Befreiung der Frau, von den „Fesseln“ des Mannes und des Kindes auf die Fahnen geschrieben. Sie setzen sich für die freie Liebe und offene Ehen ein. „Free Love, I’m Willing If You Are“ heißt einer der für die Zeit der sexuellen Revolution typischen Slogans. Die Sexualwissenschaft machte sich einst zum Anwalt einer Befreiung der Triebe. Heute stehen wir vor der bitteren Erkenntnis, dass die sexuelle Befreiungsbewegung damit die  zerstörerische Seite der Sexualität in den Vordergrund gerückt hat und dieser Kräfte nicht mehr Herr wird.

Der Hamburger Sexualwissenschaftler Gunter Schmidt, ein begeisterter Schüler Kinseys, der sich schon in den 60-er Jahren von der Empirie Kinseys zu eigenen Studien anregen ließ, sagte in einem Interview mit großer Genugtuung: „Die Sexualität hat sich von der Ehe gelöst und damit wurde von sexuellen Beziehungen Jugendlicher bis zum gleichgeschlechtlichen Sex gesellschaftlich beinahe alles möglich und akzeptabel.“  Schmidt bestätigt damit in eigenen Worten den Vorwurf, dass die Gender Studien nur dazu dienen jegliche Art sexuellen Verhaltens zu rechtfertigen und zu legitimieren. Schmidt sagt auch sehr deutlich: „Die Menschen brauchen keine Moral“.

Der homo sociologicus, das Menschenbild der Gender Theoretiker gründet sich auf einem überholten, marxististischen Modell. Die Genderfragen sind in der Soziologie beheimatet und die Soziologie beobachtet und beschreibt die äußere, soziale Entwicklung des Menschen und der Familie. Der Mensch ist aus soziologischer Sicht ein denkendes Tier,  der in ein ungleiches und ungerechtes System hineingeworfen wurde und oft zwischen Machtinteressen aufgerieben wird.

Der homo sociologicus bezeichnet einen Menschen, dem in seinem alltäglichen Leben verschiedene soziale Rollen zukommen, mit welchen wiederum verschiedene Normen, Werte und damit gesellschaftliche Erwartungen verbunden sind, denen er sich beugen muss. Diese Rollen stehen in Konflikt miteinander, wobei sich der homo sociologicus immer der Rolle fügen wird, bei der der Druck durch Normen, Werte und Erwartungen am stärksten ist. Da die Erwartungen von der Gesellschaft ausgehen und der Einzelne keinen Einfluss auf sie hat, kann er sich ihnen nicht entziehen. Jeder Mensch ist dadurch einer individuellen Mischung von Normen und Erwartungen unterworfen, die sein Handeln bestimmen. Die Theorie des homo sociologicus spricht dem Menschen den freien Willen und auch die Fähigkeit ab, sowohl sein Leben zu gestalten, als auch in der Gesellschaft mitzugestalten. Sie sieht in der Ungleichheit das Kernproblem und behauptet: „Völlige Gleichheit entspricht Identität“

Heterosexuelle Matrix und die Zerstörung der Mutter

Die Gender Theoretiker sprechen von einer heterosexuellen Matrix. Matrix ([ˈmaːtrɪks], [ˈmaːtriːks]; lat. matrix bedeutet „Gebärmutter“, eigentlich „Muttertier“. Als Matrix wird in der Mathematik die Anordnung von Zahlenwerten oder anderen mathematischen Objekten in Tabellenform bezeichnet. In der Biologie spricht man von der zellulären Matrix, der Zellsubstanz. Das Innere des Zellkerns – die Kernmatrix. Diese Matrix, die uns umgibt, sagen Gender Theoretiker, ist wie ein Gefängnis für den Verstand, ein geistiger Sklave,  der will, dass wir Menschen genauso denken und handeln wie sie. Er soll dich von der Wahrheit ablenken! Deshalb wird von einer „Zwangsheterosexualität“ gesprochen und Lebensweisen, welche von dieser „heterosexuellen Matrix“ abweichen werden daher von der Gesellschaft ausgegrenzt. Daher ist es das erklärte Ziel die Mann – Frau Beziehung zu de-konstruieren, also aufzulösen.

Die Behauptung von Genderexperten stimmt nicht, dass die Gender Ideen die Familie nicht zu zerstören beabsichtigen! Wer Ehe und Familie hierarchisch und als starres Konstrukt betrachtet, sieht in der  Mann-Frau/Eltern-Kind Beziehung nur ein Macht- und Herrschaftsverhältnis. Für ihn wirkt eine Struktur wie ein Korsett, aus dem es auszubrechen gilt. Wenn nämlich die Matrix, die Mutter, als zentraler Bestandteil des gesellschaftlichen Zellkerns, der Familie, aufgelöst wird, löse ich das Leben, die Liebe und die familiäre Bindung auf. Was bleibt übrig? – Nichts!

Gender Konzepte – Ein Verstoß gegen das natürliche Ordnungsprinzip

Gender-Konzepte verstoßen gegen das natürliche Ordnungsprinzip. In der Folge verletzen sie die Prinzipien der Verantwortung, der Geschlechtlichkeit und der Ethik. Die Problematik der Gender-Konzepte liegt darin, dass Struktur und Beziehung vermischt werden. Eine Struktur ist immer statisch und eine Beziehung dynamisch. Die Struktur von Mann und Frau ist vorgegeben und determiniert, die Beziehung unterliegt dem Prinzip „Freiheit durch Verantwortung“

Prinzip Ordnung: Sigmund Freud sah den Menschen als geschlossenes System, das von zwei Kräften angetrieben wird, den Selbsterhaltungs- und den Sexualtrieben. Er wollte hinter das Geheimnis der Maschine Mensch kommen.  Freud´s Mensch ist der physiologisch angetriebene und motivierte homme machine und an zweiter Stelle ein soziales Wesen, denn er braucht andere Menschen zur Befriedigung seiner libidinösen, wie auch seiner Selbsterhaltungstriebe. Die Individuen bedürfen einander als Mittel zur Befriedigung ihrer physiologisch verwurzelten Triebe. Der Mensch hat primär keine Beziehung zum anderen und wird nur sekundär in Beziehungen zu anderen hineingezwungen und zu ihnen verführt.

Die Freud´sche Psychoanalyse sah den Menschen im ständigen Konflikt zwischen den egoistischen Ansprüchen des Es und den durch Erziehung und Gesellschaft geprägten Normen des Über-Ich („Gewissen“). Das Kind sei zunächst nur Es. Das Über-Ich entstünde etwa mit fünf Jahren – nach der Überwindung des „ödipalen Konfliktes“ – allein durch die Gebote und Verbote der Eltern (intra-psychisches Konfliktmodell).

Freud arbeitete mit psychisch kranken Menschen, und so sah er sich gezwungen, die Entwicklungsgeschichte seiner Patienten zu betrachten, um Klarheit über die Entstehung ihrer psychischen Krankheiten zu erlangen. Dies ist auch sein größter Fehler. Nicht der gesunde Mensch ist Ausgangspunkt, wie in der Medizin üblich, sondern der kranke Mensch!

Ordnung ist der Ausgangspunkt für eine verbindliche Eltern-Kind Beziehung, welche auf selbstloser Liebe gründet. De-konstruiere, also zerstöre ich diese Ordnung, zerstöre ich die eigentliche Keimzelle der Gesellschaft, die Familie! Wer daher Familie als losen und unverbindlichen Zusammenschluss, mindestens zweier Menschen versteht und das Leben nur aus materialistischer Sicht betrachtet, missversteht das Wesen der Familie. Familie braucht Erneuerung, aber nicht wegen dem Ordnungsprinzip von Mann und Frau, sondern wegen der Unordnung die vorherrscht.

Prinzip Verantwortung: Die Definition von Familie lautet: „Familie ist dort, wo mindestens zwei Menschen füreinander Verpflichtung übernehmen für viele Jahre.“ Allerdings, viele Paare übernehmen weder die Verantwortung für den anderen, noch für sich selbst und verlangen trotzdem als Familie akzeptiert zu werden.  Die menschliche Neigung zu einem selbstsüchtigen, verantwortungslosen Lebensstil ist daher das Problem, nicht das Konzept von Mann und Frau!

Freud präsentiert den Menschen, wie bereits erwähnt, als Maschine. Er denkt nur in physikalischen Begriffen – und wenn er den sogenannten ‚psychischen Apparat‘ vorstellt, dann ist das kein Zufall: Der psychische Apparat ist das Es, das Ich und das Über-Ich, das kennen wir alle. Die meisten wissen aber nicht, dass er das den ‚psychischen Apparat‘ genannt hat. Da geht es nur um verdrängen, sublimieren, verschieben – das sind lauter Begriffe aus der Physik.“ Freud hat den Menschen auf ein triebgesteuertes Tier reduziert, der keine Verantwortung hat und nur Opfer der Umwelt, der Gesellschaft und Erbanlagen ist. Es gibt bei Freud keine Freiheit. Kein Mensch kann sich frei entscheiden – es hat immer seinen Grund, im Ich, Über-Ich oder Es. Hier sind die Denkfehler und das große Defizit in der Freud’schen Hypothese zu finden. Auch für die Gender-Theoretiker ist der Mensch ein determiniertes Konstrukt. Da diese Konstruktion aber offenbar so nicht funktioniert, gilt es, Mann und Frau wieder zu de-konstruieren, also in seine Einzelteile zu zerlegen um ihn neu zusammenzubauen.

Prinzip Ethik: Wenn Genderbeauftragte von Ethik und ethischen Prinzipien sprechen, so ist damit eine Situationsethik gemeint, nach dem Motto: „Alles ist relativ! Es gibt keine allgemein gültigen Antworten auf Fragen der Moral! Alles ist möglich, nix ist fix!“ Die Kernfrage der Ethik lautet: „Was sollen wir tun?“. Immanuel Kant formulierte in den „Grundlegung zur Metaphysik der Sitten“ den Kategorischen Imperativ: „Handle nur nach derjenigen Maxime, durch die du zugleich wollen kannst, dass sie ein allgemeines Gesetz werde“

Der kategorische Imperativ bietet aber keine Orientierung für das menschliche Handeln und Tun, sondern sollte den Menschen zum Nachdenken anregen, damit sie zuerst ihrem Gewissen folgen. Er baut nicht auf allgemeingültigen, universellen Prinzipien und Werten  auf, sondern überlässt die Entscheidung für das Handeln der Situation! Damit führt er sich selbst ad absurdum! Das Zitat von  Immanuel Kant, das 1784 zum Leitspruch der Aufklärung wurde: „Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen!“, ist  wohl der Ausdruck seiner Frustration über die Gedankenlosigkeit seiner Zeitgenossen.

Eine viel entscheidendere Frage, nach dem „Warum“ wird gar nicht gestellt. Da in der Soziologie der Selbsterhaltungs- und Sexualtrieb den zentralen Antrieb des Menschen darstellt, gibt es über die momentane Bedürfnisbefriedigung hinaus kein Motiv, höhere Ziele anzustreben oder für andere zu leben. Die Selbstverwirklichung und die Bedürfnisbefriedigung werden als das höchste menschliche Ziel dargestellt, dieses Ziel ist aber für viele Menschen kein Handlungsmotiv in ihrem Leben.

Viele Menschen wollen einfach nur glücklich sein, ohne etwas dafür tun zu müssen, sie suchen daher zuerst nach oberflächlichem Spaß. Tugenden wie Treue, Ehrlichkeit gelten oft nur in der jeweiligen Situation. Unverbindliche Liebesbeziehungen werden rasch zur Affäre und zur Quelle von Enttäuschung und Bitterkeit, was wiederum das Vertrauen zerstört und die Beziehungsunfähigkeit fördert.

Wo liegen zusammenfassend, die Defizite und Schwächen der Gendertheorien? Das Menschenbild der Gender Theoretiker gründet sich auf einem starren, mechanistischen Modell. Der Humanismus, der Feminismus und auch der Genderismus behaupten, der Mensch sei die höchste Entwicklungsstufe des von der Natur hervorgebrachten Lebens. All diese Weltanschauungen glauben weder an Gott, noch an eine transzendente Kraft. Humanisten sagen mit Hamlet: „Welch ein Meisterwerk ist der Mensch! Wie edel durch Vernunft! Wie unbegrenzt an Fähigkeiten!“   Das humanistische Menschenbild kann in einem Satz des griechischen Philosophen Protagoras zusammengefasst werden, der sagte: „Der Mensch ist das Maß aller Dinge.“ – Aber kann der Mensch, der regelmäßig verantwortungslos und korrupt handelt, ein Maßstab sein?

Die Menschenrechte – die Freiheit von Verantwortung?

Der Anspruch säkularer Humanisten und Gender Theoretiker, die Allgemeinen Menschenrechte sind der größte Erfolg menschlicher Entwicklung, sie sind Idealgesetze von Menschen für Menschen, ist leider eine Halbwahrheit. Die Menschenrechte definieren nur Individualrechte, vor allem das Recht auf Freiheit. Sie definieren nicht die menschliche Verantwortung als Voraussetzung für Freiheit.  Viele verstehen daher unter dem Menschenrecht auf Freiheit: „Freiheit von Verantwortung, anstatt Freiheit durch Verantwortung.“

Die Gender-Theorien werden in absehbarer Zeit Geschichte sein und als Verirrung des menschlichen Geistes betrachtet werden. Leider haben die christlichen Kirchen diesem Trend nicht wirklich etwas entgegenzusetzen.

Von Josef Gundacker