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"Wirtschaft und Staat müssen Rücksicht auf Familien nehmen"

Graz (KAP) Mehr Rücksichtnahme von Wirtschaft und Staat auf die Bedürfnisse von Familien sowie Maßnahmen zur Erleichterung der "Lebbarkeit" von Familie hat der Direktor des kirchlichen "Instituts für Ehe und Familie" (IEF), Günter Danhel, eingemahnt. "Die Probleme der Familie liegen heute nicht in erster Linie auf der Ebene der Wertschätzung und des Leitbilds", stellte der Koordinator des "Familiennetzwerks" am Mittwoch beim "Konservativen Kongress" in Graz fest. 

 Entscheidend sei die "unübersehbare Kluft" zwischen der Familie als Wert und der Familie als faktisch gelebter Realität, so Danhel: "Nicht der Wunsch nach Ehe und Familie, wohl aber die Lebbarkeit dieser Lebensform ist in den letzten Jahren in die Krise geraten".

Das Alltagsleben von Familien müsse wieder leichter lebbar gemacht werden, ist Danhel überzeugt. "Familie mit ihren Herausforderungen darf nicht als 'Überforderung', sondern als persönlicher Gewinn und Lebenssinn erfahren werden", sagte der IEF-Direktor. Entscheidende Voraussetzung dafür sei die bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf.

Danhel kritisierte in diesem Zusammenhang vor allem eine "strukturelle Rücksichtslosigkeit" der Wirtschaft, die auf dem Individuum und nicht der Familie als Träger von Rechten und Pflichten basiere: "Der Individuallohn nimmt aber weder auf Familiengröße noch auf Familienleistungen wie Erziehung und Pflege Rücksicht". Notwendig sei ein Wechsel der Perspektive hin zur Gleichwertigkeit von Familienarbeit und Erwerbsarbeit. Er hoffe, so Danhel, dass man sich von der Entscheidung "Kind oder Karriere" wegentwickle: "Vielleicht werden einmal längere Familienarbeitsphasen und dazwischen liegende Erwerbsarbeitsphasen einander abwechseln, ohne dass der Wechsel von einer Sphäre in die andere mit unaufholbaren Benachteiligungen verbunden ist".

Mehr Rücksichtnahme auf Familien forderte Danhel auch vom Staat. Zwar habe die Politik zuletzt mit materiellen Unterstützungen wie dem Kinderbetreuungsgeld viel für Familien getan. Allerdings werde zum Beispiel im Pensionsversicherungssystem Kinderlosigkeit noch immer belohnt. "Der Generationenvertrag erfordert eine bessere Berücksichtigung der Familien mit Kindern, da bis heute Kosten der Alterssicherung weitgehend kollektiviert, die Kosten und Anstrengungen für die Nachwuchssicherung aber größtenteils individualisiert sind", erklärte der IEF-Direktor.


Quelle: www.kathpress.co.at 
 

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