Familie fördern – aber wie?

Aufgabe einer modernen Familienpolitik ist es, bestmögliche Rahmenbedingungen zu schaffen, um Familienleben zu ermöglichen und zu fördern. Dies soll durch eine bessere Balance zwischen Familien- und Berufsleben erreicht werden. https://www.familieundberuf.at/sites/familieundberuf.at

Was aber ist, wenn die Balance zwischen den Eltern und den Eltern und Kindern aus den Fugen geraten ist? Und was ist weiter, wenn die Beziehung der Eltern vergiftet ist, sie ständig im Streit liegen oder sich getrennt haben und die Kinder sich abwenden?  Wenn im Herzen eines Menschen Gleichgültigkeit, Neid, Eifersucht und Hass vorherrschen und sich dies in Wutausbrüchen ausdrückt – dann ist Sand im Getriebe einer Familie!

Familie wird heute nur aus ökonomischer, politischer und sozialer, also struktureller Sichtweise betrachtet und diskutiert. Darin liegt die Ambivalenz der Familienpolitik. Es herrscht vielfach die Ansicht vor, dass Familien ihre Zeit, Interessen und Talente nur effizient managen müssten. Die zwischenmenschlichen Beziehungen und die vielfältigen Beziehungsprobleme, die auf Grund von Misstrauen und falscher, egoistischer Verhaltensweisen entstehen, werden nicht berücksichtigt. Auf Grund dieses reduzierten, konstruktivistischen Familienbildes kommt es zu falschen Schlussfolgerungen in der Familienpolitik.

Um bestmögliche Rahmenbedingungen schaffen zu können, dürfen wir nicht nur die ökonomischen Rahmenbedingungen betrachten, sondern auch die innerfamiliären Beziehungen. Schließlich macht der Ton die Musik und nicht nur die einzelnen Noten! Wenn die einzelnen Noten nicht zusammenspielen kommt es immer zu Missstimmungen.

Familie ist nur möglich und kann nur langfristig gelingen, wenn sowohl die äußeren, die physischen Bedürfnisse erfüllt werden als auch die inneren Bedürfnisse, das Bedürfnis nach Bindung, nach vertrauten Beziehungen, Wertschätzung und Liebe. Genauso wie die wichtigsten Faktoren für das Wachstum von Pflanzen, Wasser, Luft, Licht und Erde sind, so ist die Familie der Nährboden für das Wachstum eines Kindes. Fruchtbarer Humus wird gerne als „Muttererde“ bezeichnet, da er maßgeblich verantwortlich ist für die Ernährung von Menschen, Tieren und Pflanzen. Reife, verantwortungsvolle Mütter und Väter sind daher die beste Grundlage für die Entwicklung von Selbstvertrauen und Selbstbewusstsein des Kindes. Die 3 Wissenschaften, Psychoanalyse, Säuglings- und Kleinkindforschung und Neurobiologie und Hirnforschung, lassen keinen Zweifel daran, wie wichtig der elterliche Einfluss in den ersten Lebensjahren für die weitere und grundsätzliche Entwicklung des Kindes ist.

Reife erfordert allerdings einen Reifungsprozess. Wir akzeptieren diese Tatsache in Bezug auf die Entwicklung unserer kognitiven, sensorischen und motorischen Fähigkeiten. Weniger üblich und schwieriger ist es, diesen Wachstumsprozess auf emotionalem Gebiet, auf unseren persönlichen Charakter und bei zwischenmenschlichen Beziehungen zu verstehen. Und selbst wenn wir diesen Entwicklungsprozess verstehen und akzeptieren, ist es schwierig im Einklang damit zu leben.

Die US-amerikanische Schriftstellerin Pearl S. Buck bemerkte: „Kinder, die man nicht liebt, werden Erwachsene, die nicht lieben“. Ich habe in Familien oft genug beobachtet, welche Konsequenzen es hat, die natürlichen Gesetze der Beziehung und des Wachstums abzukürzen. Ich höre immer wieder Menschen sagen, dass sie den richtigen Partner suchen, der richtige Partner zu sein, kommt wenigen in den Sinn. Viele Menschen wollen geliebt werden aber nicht Lieben. Wir streben eine verlässliche Partnerschaft an, wollen aber in die Beziehung nicht investieren. Als Trennungsursachen werden dann Langeweile, Routine und emotionale Verarmung der Partnerschaft genannt.

Familienforscher nennen fälschlicherweise gesellschaftliche Aspekte wie den Wandel gesellschaftlicher Werte und Normen bezüglich Sexualität und Normen und Erwartungen bezüglich der Institution Ehe oder Familie als relevante Scheidungsgründe. Die wahren Gründe für die hohe Scheidungsrate ist aber in der menschlichen Unreife und Beziehungsunfähigkeit zu suchen. Die Liberalisierung der Beziehungsformen hat genau den gegenteiligen Effekt dessen was damit beabsichtigt wurde. Wie die Soziologen Burkart und Kohli bereits 1992 anmerkten, hat mit der Liberalisierung der Beziehungsformen, die Scheidungshäufigkeit linear zugenommen.

Die primären Rahmenbedingungen für eine stabile Familie werden durch eine vertrauensvolle, stabile und verbindliche Beziehung der Eltern geschaffen. Familienpolitik und Familienförderung muss daher darauf abzielen, die Beziehung der Eltern und die familiäre Einheit zu stärken.